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SoFi-Jagd mit dem WDR

Ü-Wagen des WDR Sonnenfinsternisse SoFi-Kamera

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SOFI-JAGD MIT ECLIPSE-REISEN.DE UND DEM WDR

Montag, 03.01.2011

Der erste Werktag im neuen Jahr steht bei uns natürlich gänzlich im Zeichen der partiellen Sonnenfinsternis am kommenden Tag. Unser lang gehegter Plan sieht vor, dass wir vom "Alten Zoll" am Bonner Rheinufer aus beobachten, mit Blick auf Rhein und Siebengebirge. Dazu hat Stefan bereits im Dezember 2009 eine Probebeobachtung an dieser Stelle vorgenommen und war begeistert von der Aussicht.

Im Internet hatten wir bereits im Vorfeld einen Livebericht von unserer Beobachtung angekündigt. Das hatte die ARD auf uns aufmerksam gemacht, die einen Beitrag zur Sonnenfinsternis senden und uns zu diesem Zweck begleiten wollte. Das war natürliche eine tolle Sache für uns, aber würde auch das Wetter mitspielen?

Wir konsultieren unablässig die verschiedensten Wettermodelle und Satellitenbilder. Da es für das Rheinland nicht so rosig aussieht, überlegen wir, welche Alternativen in Frage kommen. Es kristallisieren sich am Vormittag zwei Möglichkeiten heraus:
1) Ein Flug in den Süden, wo die Aussichten auf klaren Morgenhimmel besser sind als bei uns in Bonn. In Frage kommen die Ziele Friedrichshafen und Mailand. Die passen zeitlich und monetär.
2) Ein Flug gen Nordosten, um direkt aus dem Flugzeug zu beobachten.
Beides ist natürlich für den Bericht in der ARD nicht machbar. Das Team des Westdeutschen Rundfunks, das uns begleiten soll, kann nur innerhalb der nordrhein-westfälischen Landesgrenzen drehen. Alles andere ist schwierig und geht nur mit Sondergenehmigungen. Der Aufwand wäre insgesamt jedenfalls zu hoch.

Gegen Mittag erfahren wir, dass vor allem am Fuß der Alpen mit erheblichem Nebel zu rechnen sein wird. Das betrifft dann sowohl Friedrichshafen als auch Mailand. Jedenfalls wollen wir das Risiko nicht eingehen und streichen diese Ziele wieder aus unserer Planung. Dafür versprechen aktuelle Prognosen gute Aussichten in Belgien und den Niederlanden. Das wäre ja von Bonn aus beides in Kürze zu erreichen. Stefan hält noch einmal telefonisch Rücksprache mit Jens Eberl vom WDR. Dieser konsultiert wiederum den Wetterexperten des ARD-Morgenmagazin, Donald Bäcker. Gegen 13 Uhr ist die Entscheidung gefallen: Wir werden im Rheinland bleiben, mit der Option auf eine "Flucht" im PKW. Um auf Nummer sicher zu gehen, bucht Stefan noch einen passenden frühen Flug mit Germanwings nach Berlin-Schönefeld inkl. Fensterplatz mit optimaler Sicht auf die Sonne. Falls alle Stricke reißen sollten, wäre das eben die Notlösung.

Nachdem wir das geklärt haben, können wir am Nachmittag in Ruhe alles einpacken, was wir so benötigen werden: Straßenkarten, SoFi-Brillen, eine Lochkamera, einen Schöpflöffel, Baader-Folie, gebastelte Filter für Stefans Kamera, Getränke, Becher, Klebeband und noch mehr Kleinkram, der vielleicht nützlich sein kann.
Die SoFi kann kommen …

Dienstag, 04.01.2011

Zu nachtschlafender Zeit mache ich mich auf den Weg ins Büro. Als ich um 05:50 Uhr dort ankomme, ist der Westdeutsche Rundfunk bereits vor Ort und baut unser Büro um sowie Kamera und Licht auf. Das ARD Morgenmagazin will live von unserer Beobachtung berichten. Das wussten wir natürlich schon vorher. Dass dazu drei Fahrzeuge und 7 Personen auflaufen, war mir aber nicht bewusst. So eine Live-Übertragung ist ganz schön aufwendig. Und aufregend noch dazu. Neben den Live-Schaltungen ins MoMa wird auch für das Mittagsmagazin eine Art kleiner Reportage gedreht. Das Kamerateam wird uns den ganzen Morgen bis zum Schluss begleiten. Und so müssen Stefan und ich immer wieder die gleichen Dinge tun, die dann aus verschiedenen Perspektiven gefilmt werden. Das ist anfangs seltsam und ungewohnt. Aber nach einer Zeit haben wir uns daran gewöhnt und finden Spaß daran.

Zwar kann ich auf dem Weg ins Büro die Venus klar am Himmel sehen, aber der Rest sieht noch ziemlich trüb aus. Gleiches bestätigt auch der bekannte Wissenschaftsjournalist Daniel Fischer, der nun ebenfalls zu uns stößt (sein Bericht von diesem Morgen) . Was tun? Stefan wertet trotz der Fernsehaufnahmen natürlich online die aktuellen Wetterberichte und Satellitenbilder aus. Und alle sagen uns das Gleiche: Go West!

Bewölkung über Deutschland am 04.01.2011 um 07:00 MEZ
Quelle: WetterOnline

ARD-Wetterfrosch Donald Bäcker empfiehlt uns den Autobahnparkplatz Rur-Scholle nahe Düren an der A4 zwischen Köln und Aachen. Dort soll pünktlich zum Sonnenaufgang die dicke Wolkendecke aufbrechen. Also brechen wir auf. Schnell alle in die Autos bzw. den Ü-Wagen und los geht’s. Zum Glück sind noch Ferien, so dass wir auch recht zügig an Köln vorbei kommen. Bei Ankunft am Parkplatz gegen 07:50 Uhr ist es noch dunkel, aber schnell wird es heller und dann sehen wir auch die versprochene wolkenfreie Zone im Westen, die langsam auf uns zu zieht. Wird sie auch schnell genug sein?
Kaum haben wir uns positioniert und alles eingerichtet, meldet sich auch das Morgenmagazin wieder und wir gehen live on air. Danach machen wir noch ein paar Aufnahmen für das Mittagsmagazin und wechseln unseren Standort mitten auf einen großen Acker (Ortsmarke für GoogleEarth). Von dort haben wir sowohl freien Blick nach Westen auf die Wolkenlücke, die stetig auf uns zuhält, als auch nach Osten, wo die Sonne sich noch hinter dichten Wolken versteckt. Bis zur nächsten Live-Schaltung in die Tagesschau um 09:10 Uhr (Aufzeichnung dieses Beitrages) haben wir außer Frieren nicht viel zu tun. Die anfangs noch geschlossene Wolkendecke bricht immer weiter auf. Leider geht das alles nicht schnell genug. Die Sonne steigt zu langsam, der Mond bewegt sich zu schnell, als dass wir an dieser Stelle noch einen freien Blick auf die halbverfinsterte Sonne werfen können. Nach Ende des Morgenmagazins beschließen wir daher, weiter in Richtung Westen zu fahren. Ohne den Ü-Wagen, der nur für die Live-Schaltungen gebraucht wurde, sind wir jetzt auch schneller und flexibler. Also packen wir rasch alles zusammen und steigen wieder ins Auto.

Der Ü-Wagen, Parkplatz Rur-Scholle, 08:12 Uhr Blick nach Südosten, Parkplatz Rur-Scholle, 08:18 Uhr Panorama nach Südosten, Parkplatz Rur-Scholle, 08:25 Uhr Blick nach Westen zur Wolkenlücke, Parkplatz Rur-Scholle, 08:26 Uhr Interview mit Stefan für das Mittagsmagazin, Parkplatz Rur-Scholle, 08:32 Uhr Interview mit Daniel für das Mittagsmagazin, Parkplatz Rur-Scholle, 08:35 Uhr

Die Wolkenlücke rückt näher, Parkplatz Rur-Scholle, 08:47 Uhr Die nächste Liveschaltung wird vorbereitet, Parkplatz Rur-Scholle, 08:47 Uhr Die Wolken reißen immer weiter auf, Parkplatz Rur-Scholle, 09:10 Uhr

Bereits wenige Kilometer hinter unserem Parkplatz bricht dann die Sonne aus den Wolken hervor – zu unserer Freude pünktlich zum Bedeckungsmaximum. Stefan und Daniel sind ganz aus dem Häuschen und starren mit ihren SoFi-Brillen aus dem linken Autofenster. Ich versuche, mich weiter auf die Autobahn vor mir zu konzentrieren.

Bewölkung über Deutschland am 04.01.2011 um 10:00 MEZ
Quelle: WetterOnline

In Aachen finden wir den Parkplatz eines Gebauchtwagenhändlers (Ortsmarke für GoogleEarth) mit guter Sicht auf die noch immer gut zur Hälfte verfinsterte Sonne. Sofort packen wir Lochkamera und Schöpflöffel aus, um die Sichelschatten auf eine weiße Wand zu werfen – sehr zur Freude des Kamerateams. Auch die Autohändler freuen sich, als wir sie mit SoFi-Brillen versorgen. Nach den langen Wochen trüben Wetters, in denen alles nur in tristes Grau getaucht war, erscheint die Sonne nun extrem grell, trotz der teilweisen Bedeckung durch den Mond. Vor allem dort, wo noch Schnee liegt, tut es regelrecht in den Augen weh. Also schnell wieder die Schutzbrillen aufsetzen und das Schauspiel am Himmel genießen, bevor es vorbei ist und der Erdtrabant seinen Weg fortgesetzt hat. Gegen 10:30 Uhr werden die letzten O-Töne für den Fernsehbeitrag im Mittagsmagazin aufgenommen und dann ist das ganze Spektakel auch schon wieder vorbei. Der Mond gibt die Sonne endgültig frei, die Sonnenscheibe erscheint wieder kreisrund.

Die SoFi im Sucher der TV-Kamera, Aachen, 10:02 Uhr Die SoFi ohne Filter, als Reflex über der Sonne sichtbar, Aachen, 10:02 Uhr Ein weiteres Interview mit Daniel, Aachen, 10:26 Uhr Unser Beobachtungsort in Aachen, 10:35 Uhr Blick über den Parkplatz Rur-Scholle auf das Kraftwerk Weisweiler, 10:55 Uhr

Nachstehend 5 Aufnahmen der ausgehenden Finsternis; aufgenommen an unserem Standort in Aachen mit einer Panasonic DMC-FZ18 durch Baader-Filterfolie um 10:05, 10:10, 10:17, 10:20 und 10:32 MEZ. Belichtungszeit jeweils 1/1300s bei Blende 8 und ISO 100; Brennweite 504 mm. Außer einer Gammakorrektur wurde keine weitere Bearbeitung vorgenommen. Bei dem in den letzten 3 Bildern sichtbaren Sonnenfleck handelt es sich um NOAA 11140.

10:05 MEZ 10:05 MEZ 10:05 MEZ 10:05 MEZ 10:05 MEZ

Auf dem Rückweg nach Bonn halten wir noch einmal an unserem ersten Beobachtungsort auf dem Parkplatz Rur-Scholle an und stellen zufrieden fest, dass die Entscheidung, nach Aachen zu fahren, richtig war. Hier ist noch deutlich mehr Bewölkung am Himmel und die Sache wäre sehr knapp geworden. Erschöpft, glücklich und zufrieden mit dem Ergebnis verabschieden sich die drei Finsternis-Jäger Angela, Stefan und Daniel von den drei Begleitern des WDR, die nun noch schnell das Material sichten und schneiden müssen, damit es pünktlich im Mittagsmagazin gezeigt werden kann. Hier das Ergebnis. Unser eigenes Video hingegen zeigt das TV-Team bei der Arbeit und gibt einen kleinen Eindruck, wie die Sendungen produziert wurden:

Ein herzlicher Dank für die angenehme Zusammenarbeit geht an den Westdeutschen Rundfunk und das Team, das uns begleitete, besonders an Jens Eberl für die professionelle und humorvolle Betreuung. Und wir danken natürlich auch Daniel Fischer für die allzeit spaßige Kooperation in allen Teilen der Welt – sogar in Aachen. :-)

Text: Angela Weidenbach